Geschichtsverein, Kirchen-Geschichte in Württemberg, Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte, GV, GV-DRS, Stafflenbergstrasse, Geschichtsverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Maria Gründig, Dr. Wolfgang Zimmermann, RJKG, Studientag, Hefele Preis

Preisträger und Berichte zur Preisverleihung

Preis 2009 an Christiane Holzhauer
Preis 2007 an Patrick Stauß und Dr. Antonius Hamers 

Preis 2009
Bericht und Bilder zur Übergabe des Bischof-Carl-J.-von-Hefele-Preises am 28. Januar 2010

Bischof Dr. Gebhard Fürst hat die Diplomarbeit der Tübinger Theologin Christiane Holzhauer für preiswürdig erachtet.

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Sie erhält den Preis für ihre Diplomarbeit: "Er hätte im Gegenteil oft mit ‚Grüß Gott’ gegrüßt. Eine Untersuchung zur Rolle der religiösen Argumentation in den Persilscheinen des Entnazifizierungs-verfahrens für die Erstellung von Deutungsmustern der Wertestrukturen im Spannungsfeld von Besatzungsmacht, Bevölkerung und katholischer Kirche.

Die Preisübergabe fand am 28. Januar 2010 um 20 Uhr in feierlichem Rahmen im Wilhelmsstift Tübingen statt.

Bericht Preisverleihung

„Grüß Gott“ oder „Heil Hitler“ ? 

Weihbischof Dr. Johannes Kreidler überreichte im Tübinger Wilhelmsstift an die junge Theologin Christiane Holzhauer den Bischof-Carl-Joseph-von-Hefele-Preis. Dieser Wissenschaftspreis wird an herausragende junge Kirchenhistoriker und Kirchenhistorikerinnen vergeben, die sich in ihren Abschlussarbeiten der Erforschung der Geschichte im Gebiet der Diözese annehmen.

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Bild v. li.: Dr. Wolfgang Zimmermann, Christiane Holzhauer, Weihbischof Dr. Johannes Kreidler, Direktor Msgn. Martin Fahrner

Wie Dr. Wolfgang Zimmermann in seiner Begrüßung ausführte, belege eine Diplomarbeit, wie sie Christiane Holzhauer vorlegt, dass in Tübingen Kirchengeschichte „kein Fach am Rand der theologischen Disziplinen“ sei. Vielmehr habe die regional forschende Kirchengeschichte ihren festen Platz im theologischen Fächerkanon. Dem stimmte Professor Dr. Andreas Holzem zu, der die Arbeit der Theologin betreut hat. In seinem Festvortrag „Last der Vergangenheit“ fragte er danach, wie Deutsche die Zeit des Nationalsozialismus erinnerten und deuteten, wie sie ihre Sehnsucht nach Selbstversöhnung stillten und auf welchen Wegen sie ihre Verstrickungen in das Nazi-Regime zu verarbeiten suchten. Die Ergebnisse, die Christiane Holzhauer durch ihre Diplomarbeit erarbeitet habe - die Auswertung von "Persilscheinen", in denen bestätigt wurde, den Nationalsozialismus nicht unterstützt zu haben - trügen dazu bei, dass nun einige der offenen Fragen - z.B. waren Pfarrer "Weißwäscher" - exakter beantwortet werden könnten.

Weihbischof Dr. Johannes Kreidler führte in seiner Laudatio aus, dass die Preisträgerin überzeugend das alte Klischee aus dem Weg geräumt habe, dass katholische Geistliche in großem Umfang und sehr großzügig „Persilscheine“ ausgefertigt hätten. Er wünschte der angehenden Promovendin alles Gute und überreichte im Auftrag von Bischof Dr. Gebhard Fürst den mit 2.500 € dotierten Preis.

In ihrem nachfolgenden Vortrag stellte Christine Holzhauer dar, welche Rolle die von den Besatzungsmächten als unbelastet eingeschätzten Priester gespielt haben, indem sie Bescheinigungen ausstellten. Sie erläuterte, welche Bedeutung der religiösen Argumentation in diesen Fällen zukam. Sätze wie: Der Antragsteller habe "oft mit ’Grüß Gott’ gegrüßt“ – und eben nicht mit dem Hitler-Gruß – und sei seinen „kirchlichen Pflichten" nachgekommen, galten als Beleg für die Distanz eines Katholiken zum System und genügten meist, um die Person zu entlasten. Die gewählten Argumente ließen erkennen, dass sich die Betroffenen pragmatisch den politischen Normen und moralischen Werten der Besatzungsmacht und der Spruchkammern angepasst haben.

Meist sei aber bei den so Reingewaschenen und zu „Opfern“ erklärten die notwendige Auseinandersetzung mit ihrem Handeln in der Zeit des Nationalsozialismus - mit ihrer möglichen Schuld - unterblieben.

Studiendekan Prof. Dr. Hilberath hatte schon zuvor in seinem Grußwort daran erinnert, dass Bischof Sproll das Kirchenvolk dazu ermahnt habe, den Grad ihrer Verstrickung und ihrer Schuld daran zu messen, in welchem Umfang sie von Naziregime profitiert haben oder profitiert hätten, falls es nicht zum Zusammenbruch gekommen wäre.


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Nach dem Ende des Festaktes nutzten die mehr als hundert Gäste die Gelegenheit, um bei einem Buffet ins Gespräch zu kommen. 

Ein besonderer Dank gilt dem Direktor des Wilhelmsstifts, Monsignore Martin Fahrner, für seine Unterstützung sowie den Aktiven um Herrn Elsässer, die uns trotz starker Arbeitsbelastung an diesem Tag so gut und zuverlässig versorgt haben.
Wir wissen die besondere Gastfreundschaft, die uns dieses Haus nun schon zum zweiten Mal entgegenbrachte, sehr zu schätzen.

Bilder: Florian Gebele, Text: Maria E. Gründig

 

 

Bischof-Carl-J.-von-Hefele-Preis 2007

Preisverleihung an Patrick Stauß (Universität Tübingen) und Dr. Antonius Hamers (Universität Münster)am 8. Januar 2008

Der Geschichtsverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart lud zusammen mit dem Wilhelmsstift, dem Theologenkonvikt der Diözese, Mitglieder und Freunde zur feierlichen Übergabe des Bischof-Carl-Joseph-von-Hefele- Preises nach Tübingen ein.
Programm

Hier wurde der Preis an zwei Diplomtheologen verliehen, die in ihren Arbeiten aus unterschiedlicher Perspektive die Verhandlungen über den Abschluss eines württembergischen Konkordats während der Zeit der Weimarer Republik untersuchten.

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"In Stuttgart machen sie eher ein Konkordat mit dem Teufel als mit dem Papst".

Mit diesem Zitat von 1926, das dem württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz zugeschrieben wird, leitete Weihbischof Dr. Johannes Kreidler am 8. Januar 2008 seine Laudatio im Wilhelmsstift ein. Hierin würdigte er die Diplomarbeiten der beiden Preisträge Patrick Stauß (Betreuer Prof. Dr. Andreas Holzem) und Dr. Antonius Hamers (Betreuer Prof. Dr. Hubert Wolf).

Wie der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Dr. Wolfgang Zimmermann, in seiner Begrüßungsrede formulierte, wurde der mit 2500 € dotierte Preis 1986 von Bischof Dr. Georg Moser gestiftet und der Geschichtsverein der Diözese mit der Vergabe beauftragt,  um die Erforschung der südwestdeutschen Kirchengeschichte zu fördern: Forschungen für und in der Diözese und in den Kirchengemeinden, aber auch weit darüber hinaus.

Die Arbeiten seien ein Glücksfall für die kirchenhistorische Forschung, führte Weihbischof Dr. Kreidler in seiner Laudatio aus. Die Forschungen der Preisträger Stauß und Hamers über die gescheiterten Konkordatsverhandlungen zwischen Rom und Stuttgart während der politisch äußerst instabilen Weimarer Zeit schlössen nicht nur eine Forschungslücke: Die unterschiedliche Herangehensweise und das konsequente Heranziehen südwestdeutscher bzw. römischer Quellen aus der Weimarer Zeit hätten eine neue Qualität der Themendurchdringung ermöglicht.

In den anschließenden Präsentationen der Preisträger wurde deutlich, warum 2007 zwei Arbeiten als preiswürdig erachtet wurden: Die Gesamtschau beider Arbeiten lässt ein facettenreiches Bild der Verhandlungen entstehen; Sie belegen die Gründe ihres Scheiterns. Wie Puzzelsteine fügen sich die – zum Teil verloren geglaubten – Quellen zusammen und zeigen die Rollen und Motive der Handelnden auf: Die des römischen Verhandlungsführers Eugenio Pacelli und späteren Papstes Pius XII. zum einen, die des gläubigen Katholiken, Innenministers und späteren Staatspräsidenten Eugen Bolz zum andern. Beide Arbeiten zeigten, dass bei den Verhandlungen mit Rom die Ortskirche "außen vor" blieb. Rom gestand ihr nur wenig politischen Einfluss und Selbstständigkeit zu. Rom wollte in Rottenburg nicht die Hoffnung des Domkapitels nähren, das gerne autonom über die damals anstehende Bischofswahl entscheiden wollte.

Die Vorträge des Abends werden in Band 27 des Rottenburger Jahrbuchs für Kirchengeschichte veröffentlicht.

Bericht des Schwäbischen Tagblatts vom 10. Januar 2008 "Wie ein spannender Krimi". 


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