Bischof-Hefele-Preis
Die Verleihung der Bischof-Carl-Joseph-von-Hefele-Preise fand am 1. Dezember 2011 im Wilhelmsstift Tübingen statt. Sie wurden auch in diesem Jahr auf Vorschlag des Preiskuratoriums im Geschichtsverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart und im Auftrag von Bischof Dr. Gebhard Fürst vergeben.
In seinen Laudationes stellte Weihbischof Dr. Johannes Kreidler dar, dass beide Preisträger - Daniela Blum, Tübingen und Raphael Hülsbömer, Münster - in ihren Diplomarbeiten wichtige Beiträge für die Erforschung der Kirchengeschichte des südwestdeutschen Raumes, insbesondere der Diözese Rottenburg-Stuttgart, geleistet haben.
Daniela Blum beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit der Konstanzer Geschichte der Reformation und Rekatholisierung um 1550. Anhand von Texten, die der belesene, reformatorisch denkende Laie Jörg Vögeli verfasst hatte, verdeutlicht sie, wie die Betroffenen mit den konfessionspolitischen und biographischen Brüchen der Zeit umgegangen und wie sie diese gedeutet hatten. Die Reformation war auf beiden Seiten der Konfessionsgrenze nicht nur als begeisternder Neubeginn bejubelt, sondern auch als harte Konfessionsgeschichte erlitten worden.Raphael Hülsbömer hatte v.a. in den Vatikanischen Archiven die Zensurverfahren gegen drei Werke des Tübinger Dogmatikprofessors Karl Adam (1876 -1966) historisch rekonstruiert. Dabei stellt er auch die kluge wie noble Rolle von Bischof Joannes Baptista Sproll innerhalb dieser Verfahren dar. Dieser hatte sich in persönlichen Briefen an Adam zwar gegen die völkischen Teile seiner Theologie gewandt, sich gegenüber Rom jedoch für ihn eingesetzt. Die Arbeit zeigt schließlich die Situation der katholischen Theologie Tübingens auf, wo man die 1920 und 1930er Jahre als permanente Bedrohung durch Denunziationen von innen und außen erlebte.
Nach Laudatio und Preisübergabe stellten die Preisträger wichtige Ausschnitte ihrer Arbeiten vor.
Schon zu Beginn des Abends hatte der erste stellvertretende Vorsitzende des Geschichtsvereins, Prof. Dr. Andreas Holzem, in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden Prof. Dr. Konstantin Maier Mitglieder und Gäste begrüßt und die beiden Preisträger vorgestellt. Dem waren Grußworte des Direktors des Wilhelmsstifts, Msgn. Martin Fahrner und des Dekans der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Albert Biesinger, gefolgt. Sie hoben die positive Rolle des Geschichtsvereins für das Weitertreiben und Vermitteln kirchenhistorischer Themen hervor und wiesen zudem auf die großen Erfolge hin, die die Kirchengeschichte an der Universität Tübingen in den letzten Jahren erfahren habe.
Bilder: Clemens Knorpp
Titel der Diplomarbeiten:
Daniela Blum (Universität Tübingen, Betreuer Andreas Holzem)
"Wir sind knecht vnd aigen lüt worden, vnd in dieser knechtschafft verlast du vns [...] o Herr." Reformation, Rekatholisierung und österreichische Herrschaft in den Trostgesprächen des Konstanzer Stadtschreibers Jörg Vögeli.
Raphael Hülsbömer (Universität Münster, Betreuer Hubert Wolf)
„von allen Fehlern und Schlacken gereinigt ...". Eine historische Rekonstruktion der Zensurverfahren gegen Werke von Karl Adam 1926 bis 1937.

siehe auch Preisverleihung 2008 und 2010






